Frühreif

ZAK, 31.10.2023
SchwaBo 27.10.2023

Der Theaterverein Laienspielbühne Heilig-Kreuz führt in diesem Herbst das schwäbische Lustspiel „Frühreif“ auf. Die Premiere ging im Gemeindesaal Heilig-Kreuz über die Bühne.

Vorneweg: Das Stück erfüllte alle Erwartungen, speziell in puncto Zwerchfellmassage: Die Zuschauer kamen aus dem Lachen nicht mehr heraus. Die vier Schauspielerinnen und drei Schauspieler gingen in ihren Rollen auf. Bessere Werbung für weitere Aufführungen: nicht vorstellbar.

Mit 15 schon Mutter?

Die Geschichte spielt im Wohnzimmer von Familie Mühlbach. „Schorsch“ (Justin Stannage) hat Urlaub, sitzt mit seiner Frau Gisela (Uschi Kowalski) am Frühstückstisch und liest gut gelaunt Zeitung – bis er auf einen Artikel über ein 15-jähriges Mädchen stößt, das gerade ein Kind zur Welt gebracht hat. Nun ist es um die gute Laune geschehen, denn die Mühlbachs haben eine Stieftochter (Alice Abla Amegbegnde) in diesem Alter, und Georg ist sofort bereit, ihre sittliche Reife in Frage zu stellen. Könnte auch Sonja schwanger werden? Schorsch wird sie beobachten – Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. In seinem Verdacht wird er bestärkt, als er von der Nachbarin und Dorftratschtante Leonore Buchmaier (Anita Nessler) ein anzügliches Foto erhält, das angeblich seine Stieftochter, tatsächlich aber eine andere, viel ältere Verwandte zeigt. Obwohl seine Frau heftig protestiert, ist Georg nicht mehr zu halten.

Sofort unter Verdacht

Als Sonja am Baggersee baden geht, verfolgt er sie, als Hippie verkleidet. Bei Nachbar Ulf (Markus Beisel) gibt er vor, Giselas Bruder Peter zu sein, und bleibt vorerst dabei, obwohl er am See sofort unter Verdacht gerät, ein Spanner zu sein – und von seiner eigenen Tochter vermöbelt wird. Sonja indes macht dem Hippie eindeutige Avancen, erzählt ihm, dass sie schwanger und zudem weder Nikotin noch Alkohol abgeneigt sei. Auch Leonore Buchmaier hat einen Narren an ihm gefressen und bietet ihm an, Sonja mittels Wanzen und versteckter Kamera auszuspionieren.

Das Versteckspiel verwirrt

Es folgt ein verwirrendes Versteckspiel mit seltsamen Wendungen – so scheint Nachbar Ulf nicht nur ein Verhältnis mit Gisela zu haben, sondern überdies als Vater von Sonjas ungeborenem Kind in Betracht zu kommen. Der wütende Georg gibt den Verdacht an Ulfs Frau Lilo (Christine Asmussen) weiter. Um das Chaos komplett zu machen, taucht Sonjas Freund Manuel (Marcel Mehrle) auf und stiftet weitere Verwirrung. Wie soll das enden? Vielleicht gut? Das wird hier nicht verraten; schließlich warten noch weitere Vorstellungen in Lautlingen, Straßberg, Truchtelfingen, Margrethausen und im Gemeindesaal von St. Hedwig in Ebingen auf die Fangemeinde der Laienspielgruppe.

Talent zum Spionieren

Soviel sei jedoch gesagt: Markus Beisel führt gewohnt souverän Regie, die Arrivierten – Justin Stannage in der Doppelrolle des zum Jähzorn neigenden Schorsch und und des tölpelhaften Hippies, Uschi Kowalski, die ruhige Mutter mit Neigung zu sporadischen Gefühlsausbrüchen, Markus Beisel als über den Dingen stehender Nachbar mit Leichen im Keller und Anita Nessler als lebenslustige Tratschtante mit Begabung zum Spionieren – präsentierten sich in Topform.

Auch die Neuen wussten zu gefallen: Marcel Mehrle verkörperte sehr überzeugend den lässigen Halbwüchsigen, Christine Asmussen die wütende Ehefrau und Alice Abla Amegbegnde die „frühreife“ Stieftochter. Letzteres in ausgezeichnetem Deutsch, was nicht selbstverständlich ist, wenn man aus Togo stammt und erst seit 18 Monaten in Deutschland lebt.

 

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